Gestorbene Wünsche_Autistin beendet Testphase

 

Ich hatte nur diesen einen Wunsch, nämlich dass meine virtuellen Freunde mir einmal hätten zum Geburtstag gratuliert, so wie ich allen zu Festtagen wie Weihnachten, Silvester und Geburtstagen gute Wünsche maile.
Dazu werde ich oft angeschrieben, um Kommentare, private Lebenshilfefragen oder rechnertechnische Sachen zu erklären.

Bis auf Jonathan und Peter hatte sich wieder niemand gemeldet.

Die Spitze der Ungeliebtheit Meinereiner brachte BG´s Mutter, die sich zu meinem runden Geburtstag ein Billigessen aussuchte, dass ich dann kochen und mitzubringen hätte – samt irgendwelchem Eis als Nachtisch.

Vor vielen Jahren lernte ich NT (= NeuroTypisch )-Wissen,
… dass man in Augen schauen muss, damit sich das Gegenüber wohl fühlen kann, und man selber nicht als Lügner gilt
… Hände schütteln, weil es sich so gehört
… immer nett zu ein, damit man bloß nicht auffällt
usw, usw

Dieses bestimmende Nettsein und die dazugehörende Toleranz war für mich oft erfreulich, denn Freundlichkeit erweitert die Stimulanz der Sinne. Nettsein ist auch gar nicht schwierig, aber nach längerer Abwägung ist diese Gemütsstimmung eigentlich nur reichlich verlogen.
Je netter man sich anstellt, je mehr wird man benutzt.

Man sollte sich niemals verbiegen, nur damit andere Menschen einen mögen. Alle Menschen sollten sich täglich neu bemühen müssen um so ein friedliches Beieinander zu ermöglichen. Da reicht ein ‚Nett‘ nicht wirklich.

Nun ja
Nach jahrelanger Lern-Toleranz, was man als Freund tuen oder lassen sollte, erschließt sich für mich daraus nicht nur eine weitere Unwichtigkeit zu meiner Person, sondern auch das Resultat, dass ich meinen langjährigen Geburtstagskalender auf einen Quasi-Null-Personenstatus abändere.

Über Jahre habe ich versucht mich an diese Normwelt anzupassen und mich verbogen an meiner Innerlichkeit. Ich habe mich oft so weit vergessen, dass ich mich selber nicht mehr mochte. Selbst meinen Schreibstatus habe ich an möglichst verständiger Sprache angegliedert.

Dieser jetzt vergangene runde Geburtstag, der nun schon fast zwei Wochen her ist, war für mich eine Art Zielpunkt nach 10 Jahren versuchter Lebensänderung.
Ich bin enttäuscht, fühle mich ausgenutzt und verletzt.
Diese Verletztgefühlserfahrungen der eNTen-Welt ist für mich neu, und ich erachte sie als überflüssig. Darum werde ich alles  ausschalten was ich für gefühlsmäßig unnötig empfinde.

Ich habe es satt tolerant, lieb und zuvorkommend zu sein – denn so bin ich nicht.

Mein persönlicher Status bezieht sich auf Ehrlichkeit, Hilfeststellung und Ablehnung dessen was lerninkompatibel ist. Ich werde weiter Hilfe geben, wenn diese erforderlich ist, aber gefühlstechnisch gibt es keinerlei Annäherung mehr.

 

Das meinige Experiment ‚Wünsche‘ ist misslungen __Autistin beendet Testphase !

 

schuldlos_© Archimeda1

 

damals vor  ein paar Jahren

als ich noch in meinem wattebällchen gewohnt habe
war die welt noch in ordnung, wie es schien
irgendwann hat eine träne ein loch darein gebrannt

es fiel ein licht zu mir

dass ich erfassen wollte
faser für faser hatte ich die watte zur seite gedrückt
habe mir einen durchschlupf gemacht

habe mich da rein gezwängt

streckte die hände aus um zu berühren
hob die augen um zu sehen
hörte um zu verstehen

gefühl für gefühl in eine mir unerfassbare welt
nun hock ich hier in einer ecke
meine hände berühren den boden

der unter mir brennt

meine augen sterben
im licht der illusionen
meine ohren getötet

durch wörter eurer sprache

komm doch  komm doch
komm in unsere welt
nun bin ich da

ersticke

an der einsamkeit der gemeinschaft
komm doch komm doch
wir verstehen

fiebrig nach verständnis suchend

hab ich mich verloren
komm doch komm doch
wir entschuldigen

verbrannt

am mich merken merken
gefühlschaos der zeitlosigkeit
ertrunken

im extremen der gedanken

in einer welt von verletzungen
versunken
in der sprache der sprachlosigkeit

… schuldlos getötet …

© Archimeda1

 

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