Makulaforamen_erzählt aus Patientensicht_Teil 4

Dieser Bericht ist der letzte Teil. Zu den drei Vorberichten geht es HIERklick

Ich war also im OP angekommen, hatte so ein Gefühl als ob ich ein wenig zu viel am Sektchen genascht hätte, und ich fand es eher amüsant statt beängstigend, was um meine Liege alles so herumwuselte.

Ich wurde schon x-mal operiert, aber ich habe noch nie so einen großen Vorbereitungsraum zur bevorstehenden OP gesehen.  Es war, wie ich mir einen Bienenstock im Innern vorstelle. Ein Hauptraum, riesig groß – von ihm gingen mehrere Kammern ab. Vor jeder dieser standen Betten mit Patienten, dazu Anästhesisten, Ärzte und Pflegekräfte. Sie alle redeten sehr laut aber freundlich. Sie redeten auch miteinander, versuchten dabei die Patienten aufzuheitern und beantworteten trotzdem alle ängstlich gestellten Fragen. Die Szene war für mich beruhigend. Es gab keine Hektik, hier ging es nur darum Patienten zu helfen.

Mit dieser Einsicht war ich beruhigt, und als ich mich wieder um mich selber kümmerte, war ich bereits verkabelt, damit mein Herz bei der OP überwacht werden konnte. Mein Anästhesist stand hinter mir, drückte mir eine Plastikmaske auf Mund und Nase und sagte: “ Nun noch kurz die Lungen mit Sauerstoff anfüllen, bitte tief durchatmen, dann kann es los gehen.“ Ich wollte noch widersprechen, dass ich nämlich rieche, dass das kein Sauerstoff ist und ich ja einen Zugang für die Narkose im rechten Arm hatte, da war ich schon im Tiefschlaf.

Aufgewacht bin ich dann nach geschätzten höchstens drei Minuten, obwohl ich über eine Stunde operiert wurde.

Nach der Abkabelung krabbelte ich irgendwie wieder von der OP-Liege in mein Bett und wurde im Wachraum geschoben.

Mir ging es gut, ich hatte keine Schmerzen, mir war nicht übel – und ich war fast hellwach.

Nach einer weiteren Stunde schoben mich die Schwestern wieder in mein Zimmer. Ich durfte mich bequem anziehen.

Beim Anziehen half mir meine lieber Zimmerkameradin Sylvia. Sie war der heitere Engel, und ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben.

Dann gab es sofort etwas zu essen. Wie im Hotel …

Möhrensuppe, Kartoffeln, Geflügelwürstchen mit Soße, Pudding und für den späteren Nachmittagskaffee gab es Kuchen.

Als die Narkose ganz nachgelassen hatte bemerkte ich, dass ich eine Mullbinde über dem hatte. Schmerzen hatte ich nur dann, wenn ich zu heftige Kopfbewegungen machte. Sie waren nur sekundenlang und gut aushaltbar. Immerhin habe ich jetzt zwei Ringe im Auge, die es rund halten und eine neue Linse bekommen. Da ist es normal, wenn die Fädchen mal ein wenig pieksen.

Wie Ihr lesen könnt, braucht Ihr keine Angst zu haben, wenn Ihr am Auge operiert wird. Selbst Spritzen im Auge ( bei zB AMD= Altesbedingte MakulaDegeneration ) sind vollkommen schmerzfrei. [ Dazu habe ich geschätzte 100 Patienten befragt. Schließlich vesuche ich BG dazu zu bewegen, dass er seine AMD weiter behandeln lässt. Männer und Spritzen passt allerdings irgendwie dann doch nicht  😉 ]

Was gibt es noch zu schreiben ?

Ach ja ->

Drei Wochen Gesicht- und Haarewaschen ? –> ‚is nich‘

Es darf kein Wasser, kein Staub, kein Fusselzeug ins Auge.

Für das Gesicht nutze ich feuchte Einmalwaschlappen. BG wäscht mir die langen Haare, indem ich mit dem Rücken zur Badewanne sitze, und dabei die Augen mit einem dicken Handtuch schütze.

Duschen, ab Hals runter, ist OK.

 Fönen, wegen Windbewegung ? –> ‚is auch nich‘

Ich pack das Haargedöns in ein Badehandtuch und leide bis es trocknet …

Ach quatsch ! 

Auch sehr lange Haare trocknen überaus gut im Badehandtuch. Es fühlt sich nur komisch an.

Das Einzige, was ich für mich als sehr schlimm empfunden habe ist, dass man auf dem Bauch schlafen muss. Wer als erwachsene Frau Busen hat wird es verstehen.

Da passt was beulentechnisch nicht zur Matratze…

Tagsüber sollte man übrigens möglichst oft mit dem Kopf nach unten sitzen.

Alle 6 Stunden muss ich die Augen betropfen. Ab 7 Uhr gibt es Cortison und Antibiotika, und zur Nacht noch eine Cortisonsalbe.

Bis man weiß, ob das Auge richtig verheilt ist, und ob die OP ausreichend war kann bis zu einem Jahr vergehen.

Solange muss man besonders auf alles aufpassen, was Dämpfe ( Zwiebeln ) oder Staub ( Mehl ) anrichtet – und jede Woche habe ich einen Termin beim Augenarzt.

Was ich aber nun, nach nur 2 Wochen schon sehen kann – ist phantastisch !

Alles ist zwar noch milchig, und durch das Glaskörperpeeling sehe ich noch viele schwarze Schuppen, aber ich kann wenigstens wieder etwas erkennen, wenn ich das linke Auge schließe.

Noch ein Scherz zum Ernst*in der Lage

Das ist nun das Ende von meiner Erlebnis-Serie zum .

Wer trotzdem noch irgendwelche Ängste hat darf mich jederzeit anmailen.

archimeda@gmx.de

lg Archi   

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6 Responses to Makulaforamen_erzählt aus Patientensicht_Teil 4

  1. Manche gehen zum Haare waschen zum Friseur. Für Autisten heißt es aber selber waschen und weg mit den Fremden und anderen.

    Das aber heißt Badezimmer trocknen nach dem Waschen, denn lange Haare benötigen viel Wasser.

    Der Rechner war am Anfang so gut wie Tabu. Dafür gab es ein neues Galaxy 10 A Tab  für die Ablenkung. Damit konnte Uli gemütlich "Beulen" in die Matratze drücken.

    Anschließend gab es zur Belohnung Spritzen in den Rücken zur Schmerzreduktion.

  2. Jupp, Beulen gab es in der Matratze und im Rücken.  

    Seh es aber mal positiv. Meine Beulenbusendrücktest hat Lidle entlarvt, dass es keinesfalls die Härtestufe 4 war, wie von uns gekauft. Ich sollte viell mal Bilder von der Matratzenbuseneinweichmaterie machen  …

  3. Bloß nicht, sonst mußt du allen erklären, wie du günstig an die Beulen gekommen bist.

    Die Matratze hat den Härtegrad 4, gewollt war aber 5.

     

  4. Guten Abend Uli,

    fein, dass Du die OP gut überstanden hast. Du hast alles so gut beschrieben, dass es der Leser mit etwas Fantasie vor Augen sieht. Was nicht gut für die Augen ist, ist wohl jetzt Vergangenheit. Es geht wieder los, wie man aus den Kommentaren entnehmen kann.

    Für die kommende Woche alles Gute!

    LG Joachim

  5. Guten Morgen Joachim
    Bis auf Kleinigkeiten geht es mir wirklich gut. Ich bin den Ärzten sehr dankbar. Was die heute alles machen können ist unbeschreiblich.

    lg Uli